Update zum Archivzentrum und zum Gutachten der MHG
Update 21.04.2026:
Wir sind erschrocken über die Nachrichten, die wir aus der Siegessäule über die Mitgliederversammlung der MHG vergangene Woche erfahren haben und möchten uns davon klar distanzieren. Für uns ist klar: Der einzige Weg mit den Verstrickungen umzugehen ist ein Ende der Verharmlosung der eigenen Rolle innerhalb pädoaktivistischer Netzwerke und eine lückenlose und umfassende Aufarbeitung.
Wie und ob es in anderer Form mit dem Archivzentrum weitergehen kann, ist derzeit noch unklar. Wir halten euch auf dem Laufenden.
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Update April 2026
Am 17. März 2026 hat die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft (MHG) mitgeteilt, dass Ralf Dose aus dem Trägerverein der MHG ausgetreten ist. Für uns ist das zunächst ein positiver Schritt zur Aufarbeitung der bestehenden Vorwürfe. Das Gutachten zu den Verstrickungen von Ralf Dose bzw. der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft in pädoaktivistische Netzwerke wird Ende April 2026 erwartet. Im Zusammenhang mit dem geplanten gemeinsamen Archivzentrum hat die vollständige Aufarbeitung für uns weiterhin oberste Priorität. Eine weitere Zusammenarbeit mit der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft ist für uns nur denkbar, wenn die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte fortgeführt wird und Konsequenzen daraus gezogen werden. Sobald uns das Gutachten vorliegt, werden wir konkret benennen, welche Konsequenzen wir erwarten.
Inhalte und Umgang mit Material zu sexualisierter Gewalt an Kindern oder
Jugendlichen im FFBIZ
Das FFBIZ ist als Teil der Neuen Frauenbewegung entstanden und versteht sich bis heute als feministisches Projekt. Gewalt gegen Frauen und Mädchen war von Beginn an ein ganz zentrales Thema dieser Bewegung. Innerhalb der Frauenbewegung gab es vereinzelt pädoaktivistische Gruppen wie die „Kanalratten“ oder die „Oranien-Straßenkommune“. Gegenüber diesen Gruppen grenzte sich die Neue Frauenbewegung in weiten Teilen sehr früh und mit großer Entschiedenheit ab.
Im FFBIZ liegen zu diesem Thema vor allem Materialien von Organisationen vor, die gewaltbetroffenen Frauen und Mädchen unterstützen sowie Berichte von Personen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben. Vereinzelt finden sich auch Spuren der genannten Gruppen. Für die Vorstudie „Programmatik und Wirken pädosexueller Netzwerke in Berlin“ haben Iris Hax und Sven Reiß Bestände im FFBIZ gesichtet und sind zu folgendem Ergebnis gekommen: „Insbesondere sind Archivalien zu sexuellem Missbrauch, zur in den 1990er-Jahren geführten Debatte um ‚Missbrauch mit dem Missbrauch‘ und zum Themenkomplex Pädosexualität zu nennen, die Dokumente der lesbisch-autonomen pädosexuellen Gruppe Kanalratten und der Oranien-Straßenkommune enthalten. Bislang nicht eingesehen wurden möglicherweise relevante Nachlässe, u.a. von Aktivistinnen, die sich deutlich gegen die Solidarität von Teilen der Schwulenbewegung mit Pädosexuellen positionierten.“ (S. 39). Weiterhin beinhaltet unsere wissenschaftliche Bibliothek auch sexualwissenschaftliche Werke. Darin können sich potenziell Beiträge finden, die Pädosexualität verharmlosen oder verteidigen. Wir verstehen es deshalb als unsere Pflicht, Nutzer*innen über den Kontext dieses Materials und über mögliche belastende Inhalte zu informieren. Unsere Materialien sind grundsätzlich nur nach Anmeldung und Beratung durch eine Mitarbeiter*in einsehbar. Eine Freihandleihe ist im FFBIZ nicht möglich. So stellen wir sicher, dass wir Nutzer*innen informieren können.
Als Archiv bewahren wir auch widersprüchliche und belastende Materialien auf, um historischen Debatten für die Forschung nachvollziehbar zu machen. Aber auch das hat Grenzen: Sollte dem FFBIZ Material angeboten werden, welches strafrechtlich relevante Inhalte im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt an Kindern oder Jugendlichen enthält, beziehen wir gegebenenfalls die zuständigen Behörden ein.