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Dissonanzen

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„Wir wollen Kontroversen übern Äther schicken.“

Am 1. März 1987 ging mit „Radio 100“ der erste private Radiosender in Berlin auf Sendung. Das Radio 100-Kollektiv war basisdemokratisch organisiert und verstand sich als Sprachrohr und akustisches Versuchslabor linker Gegenkultur. Auf dem Sender liefen internationaler Polit-Funk und schwul-lesbisches Radio, Klangkunst, Literatur- und Musiksendungen, alternative Nachrichten, Frühstücksradio und Satire, Uni-Radio sowie die Sendung „Radio Glasnost“, in der vor dem Mauerfall oppositionelle Gruppen der DDR Gehör fanden.

Zum Programm gehörte von Anbeginn auch die feministische Redaktion „Dissonanzen“. In ihrer täglichen Sendung gaben sie der weiblichen Sicht auf die Welt ein Forum. Ihr Sendekonzept beschrieben die Frauen der Redaktionsgruppe in einem Pressetext im Mai 1987 wie folgt:

„Jedes Thema, ob aus der Politik oder dem Alltag, Subkultur oder Kultursumpf ist ein Frauenthema. Uns interessiert, was Frauen bewegt und was sie bewegen, erleben und leben. Wir suchen nicht verzweifelt nach dem frauenspezifischen Aspekt, aber die Themen, die überall übersehen werden und uns Frauen angehen, werden bei uns ihre Bühne finden. … Wir wollen keine Einheitsmeinung, sondern Kontroversen übern Äther schicken.“

Die „Dissonanzen“-Redaktion bestand aus etwa 50 Frauen, die für ein vielfältiges Programm- und Themenspektrum sorgten. Neben Schwerpunktsendungen mit Titeln wie „Mädchen forscht“, „Frauen in der Wirtschaft“ und „Aids“, reagierten die Radiomacher*innen auch auf aktuelle Anlässe. So sendete das Kollektiv nach sexuellen Übergriffen in der linken Szene eine mehrstündige Sendung über sexuelle Gewalt. Neben dem politischen, gab es kulturelle Schwerpunkte, etwa Literatur- und Musiksendungen. Überhaupt spielte Musik eine große Rolle bei den Dissonanzen. Das Frauenkollektiv spielte fast ausschließlich Musik, an der Frauen maßgeblich beteiligt waren als Komponistinnen, Songschreiberinnen, Instrumentalistinnen, Sängerinnen, Produzentinnen.

Der Sender Radio 100 existierte vom März 1987 bis Februar 1991. Die Sendungen zum Nachhören findest du im META-Katalog, eine Spotify-Liste mit ausgewählten Tracks der Dissonanzen-Playlist haben wir hier für dich zusammengestellt:

Das Digitalisierungsprojekt „Dissonanzen“ des FFBIZ (Laufzeit xxx) wurde mit einer Förderung der Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten / Servicestelle Digitalisierung – digiS realisiert. Projektmitarbeiter*innen waren Lisa Schug, Lena Kühn, Marion Fabian und Roman Klarfeld.